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20.03.2015, 13:27 Uhr | Bietigheimer Zeitung / Uwe Mollenkopf
Remlinger: Man wird nichts riechen
Nach dem Zuschlag im AVL-Aufsichtsrat haben Landkreis und Bietergemeinschaft am Donnerstag erstmals Details der geplanten Biogutvergärungsanlage in Bietigheim vorgestellt. Zentrale Aussage: Sie soll nach außen geruchsneutral sein.

Die ersten besorgten Bürger haben sich nach dem Bericht in der BZ über die Pläne zum Bau einer Biogutvergärungsanlage beim Waldhof in Bietigheim bereits im Rathaus gemeldet. Bei einer Vorstellung des Projekts am Donnerstag im Kreishaus versuchten die Verantwortlichen, die Bedenken zu zerstreuen. Dr. Utz Remlinger, der Geschäftsführer der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft (AVL), die die Anlage ausgeschrieben hatte, berichtete, man habe im Vorfeld verschiedene Anlagen besucht und sich davon überzeugt, dass diese für die Umgebung geruchsneutral seien. "Da wird man nichts riechen", versicherte er mit Blick auf die Wohngebiete in der Nähe.

Nach den Worten von Rainer Kübler, dem Chef der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, wird das dadurch erreicht, dass die Anlieferung und Verarbeitung des Bioabfalls in geschlossenen Hallen und Aggregaten stattfindet, die mit Unterdruck betrieben werden. Die Abluft werde über Biofilter gereinigt. Die Anlage muss auch nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt werden. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen sind ein Partner der Bietergemeinschaft, die die Anlage baut und betreibt. Bei den drei anderen handelt es sich um die BEM-Umweltservice GmbH aus Ludwigsburg, die KWB Kompostwerk Bauland GmbH & Co KG aus Pfaffenhofen und die Bioenergie Oberriexingen (BEO). Geplant ist, den Betrieb Anfang 2018 aufzunehmen.

Nach Aussage von Landrat Dr. Rainer Haas gibt es zwei Hauptgründe, warum die AVL nicht selbst in den Betrieb einsteigen will. Zum einen liege das unternehmerische Risiko jetzt ganz beim Betreiber. Zum anderen sei durch die Ausschreibung garantiert, dass die Standortwahl streng nach betriebswirtschaftlichen, nicht nach politischen Gründen erfolgt sei. Für den Gebührenzahler werde es bei dem ausgehandelten Preis nicht teurer: Die AVL zahlt an den Betreiber knapp 90 Euro pro Tonne Biogut.

Die Bietergemeinschaft hat für den Bau der Anlage ein etwa zwei Hektar großes Areal beim Waldhof in Erbpacht genommen. Sie kann bis zu 48 000 Tonnen Biogut pro Jahr verarbeiten. Die AVL hat das Recht, zwischen 20 000 und 43 000 Tonnen Bioabfall aus dem Kreis und zusätzlich 5000 Tonnen Grüngut anzuliefern. Weil die derzeitige Biomüllmenge geringer ist (siehe Infokasten), liefern die Partner BEM und KWB die für die volle Auslastung nötige Menge.

Das bei der Vergärung entstehende Biogas wird vor Ort in Strom (8700 Megawattstunden) und Wärme (10 550 Megawattstunden) umgewandelt. Der Strom wird in das Versorgungsnetz der Stadtwerke eingespeist, die Wärme in das Fernwärmenetz. Was übrig bleibt, wird als Dünger genutzt: rund 12 000 Tonnen Kompost und rund 20 000 Tonnen Flüssigdünger pro Jahr. Man wolle vor allem den nordwestlichen Landkreis und das Zabergäu beliefern, sagte Kübler. Wie berichtet wird mit rund 20 Fahrzeugen pro Tag zur Anlieferung gerechnet. Die Kosten bezifferte Kübler mit zwölf bis 14 Millionen Euro für die Anlage und drei Millionen Euro für das Blockheizkraftwerk plus Leitungen.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing begründete die Unterstützung des Vorhabens durch die Stadt mit den ökologischen wie auch ökonomischen Vorteilen der Anlage, durch die 7000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart werden können. Diese passe in die bisher betriebene Energiepolitik und bringe mehr Versorgungssicherheit.


aktualisiert von Webmaster, 25.10.2015, 22:31 Uhr